TSG KETSCH e.V. 1902
Freitagssportler
Von den Taubergießen zur Maginot-Linie Am Morgen des 3. Juni starteten sieben Mitglieder aus der TSG-Freitagssportlergruppe, mit dem Vereinsbus, ihren diesjährigen Jahresausflug zum erstem Etappenziel – Taubergießen. Nachdem nicht nur das Wetter, sondern auch der Verkehr auf der A5 Richtung Süden mitspielte, konnten die sieben Sportfreunde sogar eine Stunde früher als geplant die Abfahrtstelle Zuckerbrücke bei Rust für eine Kahnfahrt auf den Taubergiessen, erreichen. Die mit dem Stocherkahn befahrbare Strecke liegt auf ca. 12 km Länge zwischen Rust und Kappel- Grafenhausen. Die „Gießen“ sind vom Grundwasser des Rheins gespeiste unterirdische Fließgewässer die hier in zahlreichen Quellen wieder an die Oberfläche treten. Mit „Taub“ bezeichnen die Fischer ein nährstoffarmes Gewässer mit geringem Fischbestand. Der Stocherkahn, bewegt durch die Strömung des Wassers und dem stochern oder rudern des Kahnführers gleitet über eine klare unterschiedlich Tiefe Wasserfläche gesäumt von einer weitläufigen Wiesen- und Waldlandschaft mit einer teilweise einmaligen Flora und Fauna sowie Tierwelt. Die zweistündige, ruhige Fahrt, fern von Lärm und Trubel, entspannt den Besucher und führt ihn zu einer tiefen Begegnung mit der Natur auf und um das Wasser. Anschließend nach einem Mittagimbiß in Kappel ging die Tour weiter über den Rhein auf die französische Seite. Ziel war die Hochkönigsburg in der Nähe von Sélestat. Der mittelalterliche Charakter dieser imposanten Festungsanlage täuscht darüber hinweg, das sie erst in den Jahren 1901-1908 auf der Ruine einer Vorgängerburg neu erbaut wurde. Es war der deutsche Kaiser Wilhelm II., der nach dem Anschluss von Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich, infolge des deutsch-französischen Krieges 1870/71, durch Schenkung der Stadt Schlettstadt in den Besitz der Burgruine kam. Die „neue, alte Burg“ wurde im Jahre 1908 mit großem Pomp durch den Kaiser eingeweiht. Bezahlen, zwei Millionen Reichsmark, durfte das kaiserliche „Denkmal“ die eher arme Bevölkerung von Elsass-Lothringen. Nach Übernachtung und Frühstück in einem Hotel in Bötzingen am Kaiserstuhl steuerten wir erneut das Elsass an. Ziel war das Automuseum in Mühlhausen. Es hat seinen Ursprung in der Sammelleidenschaft der Gebrüder Schlumpf vorwiegend für historische Automobile der Marke Bugatti und beherbergt daher auch die weltweit größte Sammlung dieser Modelle. Daneben gibt es eine überwältigende Palette an historischen Fahrzeugen aller großen bekannten und auch unbekannten Marken. Für Automobil-Liebhaber ein wahres Paradies. Als zweites Etappenziel des Tages stand Colmar auf dem Plan. Ein reges Treiben herrschte in dem sehr gut erhaltenen historischen Stadtkern mit seinen vielen sehenswerten Fachwerkgebäuden und Bürgerhäusern aus dem Mittelalter und der Renaissance. Ein Gang durch die kleine, aber feine Markhalle der Stadt war ein Erlebnis der kulinarischen Art. Zurück im Hotel in Bötzingen ließen wir den Tag mit einem guten Essen und entsprechendem Getränk ausklingen. Ein Wald aus Mammutbäumen beeindruckte bei der Wanderung am frühen Sonntagmorgen inmitten des Kaiserstuhls im Liliental unweit von Ihringen. Das Liliental gehört der Baden-Württembergischen Landesforstverwaltung und ist seit 1957 ein Versuchsgelände für Pflanzenkulturen und besondere, teilweise exotische Bäume. Auf mehreren Rundwegen unterschiedlicher Länge begegnen dem Wanderer eine Fülle von einheimischen und fremden Sträuchern und Bäumen, wobei der Wald von Kalifornischen Mammutbäumen eine besondere Attraktion darstellt. Sehenswerte Pflanzen des Lilientals sind auch die über 20 Orchideenarten die hier an verschiedenen geeigneten Flächen gedeihen. Auch Schafe und Ziegen werden zur natürlichen Landschaftspflege gehalten. Da das Wetter an diesem Sonntagmorgen noch mit sonnigem Himmel lachte, war der Abstecher ins Liliental eine weitere Bereicherung des Ausflugs. Auf dem Nachhauseweg stand noch eine letzte Sehenswürdigkeit im Programm. Dazu mussten wir wieder zu unseren französischen Nachbarn. Ziel war der Ort Schoenenbourg, ca. 10 km südlich von Wissembourg gelegen, und hier die in der Nähe befindliche französische Befestigungsanlage der Maginot-Linie. Die Maginot-Linie, benannt nach dem damaligen französischen Verteidigungsminister André Maginot wurde in den Jahren von 1930 bis 1940 erbaut, um als Bollwerk gegen deutsche Angriffe zu dienen. Das Artilleriewerk Schoenenbourg ist eines der wenigen Wehranlagen die noch im Orginalzustand und vollständig eingerichtet besichtigt werden können. Eine ausführliche Beschreibung dieser Festungsanlage würde diesen Bericht sprengen. Daher nur soviel: In 30m Tiefe befindet sich eine Bunkeranlage mit Schlaf- und Waschräumen, Küche, Lazarett, Vorratsräumen, Werkstätten, Munitionslager, Hauptbefehlsstand, Wasser-, Lüftungs- und Elektrizitätsversorgung, um 600 Soldaten über Monate von der Umwelt autark zu versorgen. Zudem verkehrte eine elektrische Schmalspurbahn um das Material in den Bunker und die Munition durch einen rund 1km langen Stollen zu den Kampfblocks zu transportieren. Durchschnittstemperatur in der Anlage 13° C. Länge des Rundgangs in der Tiefe 2800m, Besichtigungsdauer ca. 1,5 bis 2 Std. Die Besatzung dieser Anlage ergibt sich 1940 erst sechs Tage nach dem Sieg von Hitlerdeutschland über Frankreich auf schriftlichen Befehl des französischen Oberkommandos. Fazit: Der Wahnsinn von europäischen Auseinandersetzungen in der Vergangenheit schuf solche irrwitzigen Gebilde, die, wie sich zeigte, letztlich keine Bedeutung für den Ausgang kriegerischer Handlungen mehr hatte. Man sollte daher die Anlage als Mahnmal sehen, für ein Europa einzustehen, dass diese unheilvolle Vergangenheit ein für alle Mal überwunden hat und in den Bemühungen nicht nachlassen die europäische Gemeinschaft in Frieden und Eintracht weiter zu entwickeln. ws Foto 1: Eine Impression von Colmar
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